Im Pustertal auf den Spuren von Beda Weber - Mühlbach und Meransen
17. April 2010 | Wandertouren | Dolomiten
Entdecken, beispielsweise mit den Augen von Beda Weber, der in seinem 1853 erscheinenen Buch “Handbuch für Reisende in Tirol” einen ausführlichen Reisebericht über das Pustertal verfasste:
“Pustertal ist eines der größten und schönsten Nebentäler Tirols, und enthält ungemein viel Merkwürdiges in bezug auf Land und Leute. Deshalb zieht es auch immer mehr die Reisenden an, obgleich außerhalb der gewöhnlichen Straßenzüge liegend. Zur Zeit der Römer führte hier die Straße von Aquilea nach Augsburg durch. Später zerfiel es in zwei Teile. Der größte Teil stand unter den bajuwarischen Herzögen, und deshalb trifft man soviele Ähnlichkeiten mit dem Unterinntal; aber das Grenzgebiet war ein wilder Tummelplatz der slawischen Völker. Erst Karl der Große vereinte beide Teile wieder. Die Grafen von Görz machten sich im Mittelalter hier geltend, und unter ihrer Herrschaft blieb es bis 1500, wo es an Tirol zurückfiel.
Am Eingang in das Tal lieg ober Schabs der Markt Mühlbach, am Valsertalbach, mit fünfhundertachtzig Einwohnern und neunzig Häusern. Er entstand 1269, wo die Herren von Rodeneck eine Schaar Gewerksleute und Kämer ansiedelten und Waffenschmieden anlegten, die bis auf den heutigen Tag zum teil von fortbestehen. Eine andere Erwerbsquelle ist der Straßendurchzug von Venedig und triest, umso notwendiger, je beschränkter der Feldbau durch die Ortslage ist. Der Weinstock erreicht hier seine nördlichste Grenze. Man zeigelt ihn rheinländisch auf Stäben auf und seine Säfte bleiben stets sauer, reifen in schlechten Jahren wohl gar nicht ab.
Bald erreicht der Wanderer die gefeierte Höhe von Meransen, nördlich von Brixen, mit fünfhundertdreissig Menschen in siebzig zerstreuten Häusern. Sie ist kalt und den Winden ausgesetzt, der Hagelschlag eine gemeine Plage, der Ertrag des Feldes karg, die vorzüglichste Nahrungsquelle die Viehzucht. Zwei schöne Almen, die man auch mit Vorteil besucht, großberg und Seefeld, begünstigen die letztere sehr. Auf der Alpe Seefeld findet man kleine Seen, wovon der größte eine halbe Stunde im Umfange hat, alle ohne Fische, desto mehr Forellen leben in den Bächen, die daraus strömen. Mineralogen und Botaniker finden in dieser Gegend reichlich Ausbeute, und Bergsteiger können sich an den hochragenden Spitzen Tanne, Gitsch und Hühnerspiel versuchen.
In der Ortskirche (Anm.: von Meransen) werden drei Heilige Jungfrauen verehrt, die vor den Hunnen auf diese Anhöhe geflüchtet und dort gestorben sein sollen. Sie heissen Aubeth, Kubeth und Guerre. Die schönste Aussicht, welche soviele Reisende hinaufzieht, weitet such auf dem Felderhofe, eine Viertelstunde ob dem Widum. Man überschaut das ganze Stromgebiet des tieferen Eisack und das ganze Unterpustertal. Bergwanderer steigen von hier entweder nach Vals oder nach Weitental und Pfunders hinunter, von wo aus man nach Vintl herauswandern kann, im letzteren Fall ein Weg von drei Stunden. Auch ein Ausflug nach Rodeneck gewährt viel Vergnügen. Man überschreitet bei Mühlbach die Rienz, und findet auf dem jenseitigen Mittelgebirge Korburg, ein Ansitz, dahinter im Walde Bad Bachgrat, das zahlreich besucht wird.”
Teil 2: Mühlbach und Meransen
Beda Werber 1798 in Lienz (Osttirol) geboren war Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und verlegte bis zu seinem Tod 1858 zahlreiche Bücher und Reiseführer. In In Lienz, Bozen, Innsbruck, Bruneck und Meran wurden Straßen nach ihm benannt, ausserdem das Gymnasium in Meran. Seit 1907 steht eine Büste Webers auf der Gilfpromenade.
Das könnte Sie auch interessieren» Besondere Hotels in Südtirol (II): Hotel Sonnenburg im Pustertal
» Besondere Hotels in Südtirol (I): Parkhotel Holzner in Oberbozen
» Neuer Weinwanderweg in Südtirol
» Im Pustertal auf den Spuren von Beda Weber - Rodeneck und Mühlbacher Klause
« Eine Seite zurückblättern: Im Pustertal auf den Spuren von Beda Weber - Rodeneck und Mühlbacher Klause
Eine Seite vorblättern: Meran bei 20 Grad und Sonnenschein: Die Cabrio-Saison beginnt »
Wer hier schreibt, hört auf den Namen Matthias Süß und hält sich meist mehrere Tage pro Monat in Südtirol auf. Dies ist sein Versuch, das Urlaubsland aus einem persönlichen Blickwinkel näher zu bringen.






